Blog-Beiträge 2/04/2006
Schmalband-Internet
Themen Jobs Außerdem Am 02.04.2006 von mag geschrieben
Gerade mal recherchiert, welche Möglichkeiten es gibt, auf unserem Dorf ins Internet zu kommen. Hihi. Nichts natürlich, so ist das, wenn man die Schaffung von Breitband-Zugängen dem freien Markt überlässt.
Welches Unternehmen, das Dividenden ausschütten soll hat schon Interesse an „Nicht-Ballungszentren“. Hier muß schließlich relativ viel Geld investiert werden und es sind nur wenig Einnahmen (da wenige Bewohner) zu erwarten.
Das Breitband-Portal des Bundes ist ein Witz. Nichts konkretes über Fördermaßnahmen oder Unterstützung für Gemeinden, Unternehmen und Bürgerinitativen. Eine aufgeblasenen Internetseite, die sich rein auf den Breitband-Atlas hätte beschränken lassen – der Rest ist versenktes Steuergeld.
Komisch, dabei wäre gerade das platte Land ideal für eine schöne, satte Breitband-Initiative. Welche Arbeitsmöglichkeiten hat man als Dörfler schon, wenn man kein Landwirt ist und nicht täglich zur Arbeit ins nächste Städtchen ewig weit pendeln will?
Die perfekte Alternative: eine vernetzte Internet-Dienstleistungsgesellschaft.
- Handel & Versand für Kleinstunternehmen (via E-Shops, Lagerplatz gibt's ja überall genug)
- Business-Tourismus (ungestört Brainstormen in schöner Natur, mit Möglichkeit zur Online-Recherche und -Kontakt zum Büro in der Stadt)
- Bildung von Netzwerken und Initativen (im Bereich Bildung, Soziales aber auch zur Vernetzung von Unternehmenspartnern, die meistens einen viel größeren Radius haben als Firmen in Ballungsräumen)
- eine vielseitigere Austausch- und Kommunikationmöglichkeit für die oft weit auseinanderliegenden Ortsteile (gerade für viele Ältere eine Chance, auch vielleicht mal ein paar Bilder von den ausgewanderten Enkeln aus dem Westen zugeschickt zu bekommen – ohne einen Abend mit dem Download verbringen zu müssen
Manchmal frage ich mich, wie schnarchig eine Regierung sein kann, dass sie das Potential einer guten, schnellen Internet-Infrastruktur für's Land nicht erkennt. Da jammert man lieber weiter über stete Abwanderung und Überalterung des Ostens und verbrennt Steuergelder mit überdimensionierten Großprojekten à la Stolpe (Autorennbahn, Zeppelinwerft, Chipfabrik...).
Na ja, letzteres „macht man“ ja wohl hoffentlich heutzutage nicht mehr – aber wo sind neue Lösungen???
Nachtrag: Dieser sehr guteArtikel in der FAZbringt's nochmal auf den Punkt.
Haus begießen
Themen Stadtleben Haussuche Rund um den Hof Am 02.04.2006 von mag geschrieben
Sich mit einem Resthof-Kauf in der Wallachei zu outen, hat zur Folge, dass man angeschaut wird als hätte man eine faszinierende Krankheit. Sorgevolle Blicke, skeptische Fragen und leises Kopfschütteln – man muß aufpassen, dass man nicht beginnt, sich ständig zu rechtfertigen. Nicht umsonst haben wir wohlweislich während unserer fast 1 1/2-jährigen Suche die Klappe gehalten. Solche Diskussionen im Vorwege gehen einem dann doch irgendwann auf den Sack und zu den Zeiten, wo wir dachten, dass wir nie einen passenden Hof finden, hätte mich sowas nicht gerade motiviert.
Freitag haben wir in kleiner Runde das Haus begossen und das Unverständnis hat die Begeisterung doch deutlich überwogen. Die ganzen Neonazis, der weite Weg nach Hamburg, die Heizkosten, soviel Arbeit, zuviel Acker, zu wenig Wald, kein ordentliches Internet und überhaupt, die Dörfler an sich...
Na, na, muß man immer gleich alles so düster sehen? Wenn's soweit kommt, ist noch genug Zeit um sich über die unschönen Seiten des Landlebens zu beklagen. Und irgendwie findet sich immer für alles eine Lösung. Ein bißchen weniger Kopf und mehr Bauch ist manchmal ganz gut, um sich nicht alles schon im Vorwege schlecht zu grübeln.
Jedenfalls hatte ich als Folge dessen gestern auch noch einen Hammer-Kater, der mich bis in den frühen Abend hinein absolut unbrauchbar machte. So was hatte ich lange nicht mehr – sorry, Katja, dass ich es darum nicht zu Deiner Party geschafft habe!