Blog-Beiträge 03/2006
Umsatzsteuerprüfungen können sich lohnen
Themen Außerdem Jobs Am 31.03.2006 von mag geschrieben
Wir haben unsere erste Umsatzsteuerprüfung. Alle Rechnungen und Kontoeingänge von 2005 durchgegangen und festgestellt: eine satte Rechnung wurde nicht bezahlt! Unfassbar - wie konnte uns das entgehen?! Ganz einfach, der Kunde hat eine faszinierende Verzögerungstaktik beim Bezahlen der Rechnungen, kombiniert mit schwer auseinanderzudividierenden Sammelüberweisungen der bis dahin aufgelaufenen Rechnungen. Und seit es auch noch technische Probleme mit dem Überweisen auf unser Firmenkonto gab, landen die Eingänge jetzt mal auf dem einen, mal auf dem anderen Konto.
Still verwundert frage ich mich: wie überlebt eine Firma mit so einer chaotischen Buchhaltung?
Dennoch ein Dank an's Finanzamt – wären wir nicht gezwungen gewesen, den ganzen Kram mal durchzuackern, wer weiß, wann uns das aufgefallen wäre...
Der Wahnsinn
Themen Haussuche Am 31.03.2006 von mag geschrieben
Heute mal per E-Mail verkündet, dass wir den Hof gekauft haben. Dirk und Heiko ist synchron die Kinnlade runtergeklappt (auch via Mail). Mußte gleich mal Bilder verschicken. Tendenz: Mann, seid Ihr mutig – aber Ihr habt sie ja eigentlich nicht mehr alle...
Wohl wahr, aber das war eigentlich auch nie anders – Ihr habt's nur nie gemerkt ;-)))
Tag der Ausrufezeichen
Themen Haussuche Am 28.03.2006 von mag geschrieben
Wir haben es!!!! Es gab keine Mitbieter, Zuschlag bei EUR 75.000,- und irrem Herzrasen! Mehr ist heute nicht sagen, diese Woche wird sich erstmal gefreut, alle Ja-abers sind auf nächste Woche verschoben. Und jetzt feiern!
Vorgeschichte // Teil 8
Themen haussuche Am 04.03.2006 von mag geschrieben
Freiberufler suchen Finanzierung…
Und das gibt’s noch dazu – in 5 Minuten Fußwegentfernung ein kleiner, aber feiner See mit Badestelle, jetzt im zauberhaften Winterkleid.
Links der Eingang zum bezugsfertigen Büro. Einzig seltsam: eine Heizung wurde wohl nicht eingeplant und das zweite Torbogenfenster (hier nicht sichtbar, zum Hof hin) hat keine Öffnung.
Und dann war ja da noch die Aufgabe, in der kurzen Zeit eine willige Bank auftun. Wir sind natürlich der Traum jeden Bankers: Freiberufler mit riesigem Resthof im strukturschwachen Osten...
Doch eigentlich waren wir frohen Mutes, mit der EDG in Kiel zusammen zu kommen, einer Bank die auch schon die Wohnung einer befreundeten Freiberuflerin finanziert hatte. Mit allen Unterlagen und unseren Vorabberechnungen zum Finanzierungsplan und Konzept fuhren wir also 6 Tage vor Versteigerungstermin nach Kiel. Wir erzählten, der Berater fragte, wir erzählten. Alles lief locker und freundlich, über eine Stunde lang.
Dann am Ende, nach kurzem Blick in unsere Steuerunterlagen: „Sie haben ja nicht mehr viel Zeit, deshalb sage ich es Ihnen lieber gleich: ich möchte die Finanzierung nicht machen.“ Wow - das traf uns wirklich völlig unverbereitet, unsere Zahlen vom letzten Jahr waren ziemlich gut, okay, 2003 – unser Gründungsjahr – war naturgemäß nicht so top, aber ansonsten... Und unser Eigenkapital hätte immerhin fast 50% der Gesamtsumme von angepeiltem Erwerbs- und Sanierungskosten betragen.
Ich dachte nur, verflucht, das hättest Du auch gleich zu Anfang sagen können – zu Hause liegt Arbeit ohne Ende und wir vertrödeln hier unsere Zeit mit sinnlosem Small Talk. Die Gedanken, die einem noch im Zusammenhang mit einem christlichen Bankhaus in den Sinn kommen, schenke ich mir hier lieber.
Verunsichert und verärgert über Absage und unsere Naivität machten wir uns auf den Rückweg.
Was nun? Auf gut Glück probierten wir es einfach mal bei der Sparkasse um die Ecke und bekamen einen kurzfristigen Termin am Freitag – Dienstag drauf fand die Auktion statt.
Obwohl wir ziemlich erwartungsfrei hingingen - wozu sollte eine Hamburger Bank einen Resthof in MeckPomm finanzieren wollen – verlief das Gespräch deutlich positiver. Das fing schon damit an, dass wir hier sogar einen Kaffee angeboten bekamen ;-) Zwar konnte uns der Berater natürlich keine Adhoc-Zusage machen, versprach uns aber bis Montag Abend eine prinzipielle „Tendenz“ seines Hauses zu unserem Vorhaben mitzuteilen. Außerdem - und das war uns bis dahin nicht klar - erklärte er uns, dass wir das Objekt auch von unserem Eigenkaptial erwerben könnten und es als solches dann auch für die ausschließliche Sanierungsfinanzierung angerechnet würde. Unsere Sorge war nämlich, dass, wenn wir unsere ganzen Eigenmittel für den Kauf einsetzen würden, wir keinen Kredit für die nötigen Fertigstellungsmaßnahmen mehr bekommen würden.
Ein nachdenkliches Wochenende folgte. Wir spielten alle Eventualitäten durch. Die Hausbesitzerin hatte sich nochmal gemeldet, ließ durchblicken, dass es wohl zwei bis vier ernsthafte Interessenten gäbe. Am Montag Nachmittag rief der Bankberater an und hatte gute Nachrichten: die Finanzierungstendenz ist positiv. Immerhin etwas!
Unser Limit hatten wir uns bei EUR 85.000,- gesetzt. Hinzu kämen knapp 7% Auktionsgebühr, Notarkosten und die Erwerbssteuern. Für die Sanierung hatten wir grob etwa EUR 100.000,- angepeilt.
Beim Spaziergang mit Lolek stellten wir folgendes fest:
1. So ein Objekt kriegen wir lange nicht wieder angeboten, also versuchen wir auf jeden Fall unser Glück bei der Auktion.
2. Wir kaufen aus Eigenmitteln und werden dann in aller Ruhe planen und nach einer Bankfinazierung suchen.
3. Statt wie ursprünglich mal angedacht aus Kostengründen schnellstmögliche in Hamburg die Zelte abzubrechen, behalten wir das teure Büro in Hamburg bis zum Start der Darlehensrückzahlung, um die Organisation von Nachmieter, WG-Zimmer und Umzug nicht parallel zu den ersten Schritten am Haus angehen zu müssen.
4. Sollten wir tatsächlich keine Finanzierung bekommen, werden wir eben in Etappen aus Eigenmitteln sanieren.
Ach ja, und da war dann noch die alternative Idee, ein anderes Lebenskonzept zu wählen – aber soweit ist es ja dann zum Glück nicht gekommen ;-)
Vorgeschichte // Teil 7
Themen haussuche Am 04.03.2006 von mag geschrieben
Ausgerechnet eine Auktion
Das Haus ist entkernt und als Zweifamilienhaus vorbereitet. In der rechten Haushälfte liegen schon Wasser und Stromleitungen. Leider wurde als Putz ein Zementputz verwendet.
Den Dachstuhl hatte der Hausbock ziemlich dezimiert – hoffentlich ist der raus! Dacheindeckung und Unterspannbahn sind neu, leider wurde dabei noch keine Dämmung eingebracht.
Hier sollte der Treppenaufgang für die rechte Haushälfte entstehen.
Aua: Zementputz auf Grünlingen (luftgetrockneten Lehmziegeln).
Ungewöhnlich schneereich war der Winter in Hamburg und es hatte noch mal gut geschneit, als wir uns kurz darauf auf den Weg zu einem gemeinsamen Besichtigungstermin mit der Hausbesitzerin machten.
3 Stunden später stapften wir durch das fast knietiefe Weiß auf dem Hofgelände und mit jedem Schritt wurde klarer: das passt!
Die Besitzerin hätte für EUR 80.000,- verkauft, kam jedoch nicht mehr aus dem Vertrag mit dem Auktionshaus raus. Das Auktionshaus nimmt sowohl vom Käufer wie vom Verkäufer Provision, für beide also ein Draufzahlgeschäft. Das Mindestgebot war mit EUR 75.000,- angesetzt.
Auktion – auweia, Glücksspiel ist nicht mein Ding, ich habe lieber die Kontrolle über die Dinge ;-) Erst recht bei so etwas Einschneidendem wie einem Hauskauf. Der Gedanke, endlich nach langer Suche das Richtige gefunden zu haben und jemand steigert uns das vor der Nase weg – schon bei dem Gedanken wurde mir schwindelig.
Zuvor wollten wir aber unbedingt noch einen Fachmann auf das Ganze schauen lassen, vor allem der Dachstuhl im Haus gefiel mir nicht wirklich. Zwar waren da einige neue Balken gesetzt worden (Sparrenverstärkung und neue Kehlbalken), aber der Hausbock hatte dem Altgebälk nichts geschenkt...
Natürlich kannten wir keinen Menschen aus der Gegend (außer Basti in Hamburg ;-), schon gar keinen Fachmann mit Erfahrung in Altbausanierung unter baubiologischen Aspekten.
Aber über die IG Bauernhaus wurde uns ein Bauingenieur aus der Gegend empfohlen, Stefan Gesell.
Die Zeit drängte, es war schon Mitte März und Ende des Monats war der Versteigerungstermin. Zum Glück war ein kurzfristiger gemeinsamer Besichtigungstermin kein Problem. Stefan inspizierte den Dachstuhl und befand ihn für optisch unschön gelöst, aber statisch in Ordnung und schockte die Besitzerin mit einer Wertschätzung des Objektes von unter 20.000,- (grins). Das mag daran liegen, dass die bis dato verwendeten Materialien baubiologisch nicht allzu wertvoll waren, zudem Fenster und Dacheindeckung nicht dem Charakter des Hauses entsprechen.
Beim anschließenden Waffelessen im nächstgelegenen Café „Kuhstall“ stellten wir fest, dass wir in ziemlich vielen Dingen einer Meinung sind. Aber davon abgesehen bereitete uns Stefans prinzipielle Meinung schon mal darauf vor, was wir in den kommenden Wochen andauernd hören würden: viel zu groß, viel zu viel Arbeit, was wollt Ihr denn damit... Vielleicht gehört das zum Ehrenkodex eines Baudienstleisters nicht in die Euphorie des Möglichen zu verfallen, sondern seine Kundschaft erstmal zurechtzustutzen um sich notfalls hinterher darauf berufen zu können, dass man ja gewarnt hätte ;-)
Dennoch stimmte die Chemie und wir waren froh, jemanden gefunden zu haben, dem Lehmputz und Wandheizung was sagte und der unsere skeptische Einstellung zur Innenwanddämmung teilte.
Vorgeschichte // Teil 6
Themen Haussuche Am 04.03.2006 von mag geschrieben
Vom Ende der Suche
So was hatten wir uns vorgestellt – ein Hof mit großen Nebengebäuden, etwas Land und einem zurückliegenden Wohnhaus.
Noch ganz rüstig, mit kleinen Mängeln, die der Schnee großzügig abdeckt: der ehemalige Rinderstall von der der Straße aus gesehen.
Ein schönes Feldsteinmauerwerk, das leider irgendwann mal unschöne neue Fugen bekommen hat.
Das Suchen, das Hoffen und das Abschiednehmen von diesen Hoffnungen wurde Teil unseres Lebens, ein wiederkehrender schmerzhafter Kreislauf. Da gab es die Ziegelei in Boddin, eine Traumruine, deren Besitzerin leider völlig absurde Preisvorstellungen hatte – ein monatelanges Hoffen und Bangen. Da war der Hof in einem niedlichen Mini-Rundlingsdorf mit guter Anbindung an die A24, den wir hätten günstig über die Treuhandnachfolgerin TLG erwerben können. Wir hatten uns schon alles hübsch zurechtgedacht. Zum Glück lernten wir zuvor die Dame vom Haus nebenan kennen und erkannten sofort – diese unfreundliche Person wollen wir auf keinen Fall als Nachbarin haben, zumal ihr das umliegende Land gehörte (schande, sie war auch noch Rheinländerin! Glückliches Rheinland, dass Du die los bist – und solche Leute prägen das Wessi-Bild in Ostdeutschland...). Und dann war da erstmal lange nichts was auch nur annähernd in Frage gekommen wäre.
Der Sommer ging, der Herbst kam und die Stadt ging mir richtig auf den Zeiger. Wir mußten unseren Mietvertrag verlängern, holten tief Luft und machten weiter. Wir recherchierten ständig den ganzen nordöstlichen Immobilienmarkt von Maklern, über Zwangsversteigerungen, Zeitungsannoncen bis hin zu diversen Angeboten direkt von den Gemeinden. Längst informierten wir uns auch schon über Objekte in Südbrandenburg und weiter, wenn auch nur halbherzig.
Zwischendurch, wenn wir ein paar halbwegs interessante Immobilien zusammen hatten, machte Tom sich auf die Reise zum „Vorabcheck“, ich steckte zum Glück bis zum Hals in Arbeit und war froh, dass ich mich vor diesem – meistens frustrierend endenden Fahrten – drücken konnte.
So kam es, dass ich eines Tages in den Immobilien-Artikeln von ebay (jawohl, gibt's da auch, aber nicht als Auktionsangebote ;-) eine Immobilienanzeige der Norddeutschen Grundstücksauktion entdeckte. Ein schön geschnittener, großer Dreiseitenhof mitten in Mecklenburg-Vorpommern, mit zurückgesetztem Wohnhaus, lockerer Bebauung, 3 Hektar Land, unweit eines Sees gelegen. Am Haus war bereits mit der Sanierung begonnen worden, ein Teil der Scheune zum Büro ausgebaut – klang alles ziemlich ansprechend. Aber wir hatten ja mittlerweile gelernt, den Hoffnungspegel niedrig zu halten und so war's einfach nur ein ToDo auf einer von Toms winterlichen Ostreisen.
Dem wohlbekannten Ritual entsprechend kam er mit einer Digicam voller Fotos zurück und – erstmals seit vielen Reisen – diesmal vorsichtig positiven Eindrücken zum Auktions-Objekt: „das Beste, was ich seit langem gesehen habe“.
Vorgeschichte // Teil 5
Themen Haussuche Am 04.03.2006 von mag geschrieben
Unangenehme Erkenntnisse
Typisches Straßendorf
An der Elbe gibt es viele wunderschöne Fachwerk-Bauernhäuser, die auf ihren Retter warten. Leider, man hört\'s ja überall, ist das Leben am Fluß ist nicht ganz ungefährlich...
Bei der Besichtigung
Details an einem typischen Bauernhaus – Feldsteinfundamente, Ziegelmauerwerk mit verzierten Gesimsen
Bei einer Reise nach Stettin, wo wir unser Auto auf Flüssiggasbetrieb umrüsten ließen, entdeckten wir eine ziemlich nette Ecke, direkt an der Grenze. Löcknitz - Plöwen - Blankensee. Zu hügelig für Monstermähdrescher und daher auch keine monotone Agrarsteppe wie sonst sehr häufig in Vorpommern.
Hier bekam unsere wunderbare Vorstellung erste Risse.
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Frust 1: andere waren schneller – vor allem jede Menge Berliner waren schon vor uns da und hatten sich die Bauernhof-Sahnestücke geschnappt.
Leider muß man vielerorts auch sagen „gesichert“, denn an vielen Gebäuden, die laut nachbarschaftlicher Aussage schon lange verkauft waren, wurde offensichtlich noch kein Handschlag dran gewerkelt. Ganze Dörfer werden zu Ferienkolonien, in denen sich die Hausbesitzer nur ein paar mal im Jahr sehen lassen. Der Dreiseithof als Datsche de luxe sozusagen. -
Frust 2: das Land wird häufig separat an gigantische Agrargenossenschaften verkauft oder verpachtet, die wenig Jobs bringen, aber viel Kahlschlag, Pestizide und – na gut – billiges Essen. Was aber will ich auf dem Lande mit einem 1000 Quadratmeter-Grundstück? Das finde ich auch in einer Wohnsiedlung irgendwo in der Hamburger Peripherie.
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Frust 3: Größere Höfe mit großzügigen Ställen und Scheunen gab es gar nicht so viele wie gedacht. Viele hat man einstürzen lassen, da sie nicht mehr gebraucht wurden. In MeckPomm kam hinzu, dass es seit jeher viele Gutsdörfer gab, wo die Bevölkerung in einfachen Landarbeiterhäusern lebte und auf den riesigen herrschaftlichen Gütern schuftete. Freie Bauern wie in der Prignitz oder im Westen gab es weniger und daher auch seltener Großbauernhöfe.
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Frust 4: Wunderschöne Höfe, oft stattliche Vierseitenhöfe gibt es in der Prignitz schon. Leider ist hier der Dorftyp des „Straßendorfs“ sehr verbreitet. D.h. eine gerade Straße, an deren Seiten sich die Höfe erstrecken, meist eng an eng. So eine Straße war sicher früher gemütlicher Treffpunkt für die Nachbarschaft und ab und zu zuckelte mal ein Trecker vorbei – heute fegt die Dorfjugend mit tiefergelegten 80 Sachen darüber oder LKWs auf der Suche nach der nächsten Autobahn... Vor allem wenn die Straße „gemacht“ wurde, sprich das alte Kopfsteinpflaster gegen eine breite Asphaltstraße ausgetauscht wurde.
Es wäre müßig jetzt über die Höhen und Tiefen unserer Suche im Detail zu schreiben, denn bei anderthalb Jahren ist da einiges zusammen gekommen. Unsere Preisvorstellung hatten wir längst nach oben geschraubt, einige Wünsche schon von der Liste gestrichen, aber letztendlich stimmte immer irgendetwas nicht.
Und wir wollten so lange wie möglich am (scheinbar) Unmöglichen festhalten – unseren Traumhof zu finden.
Das, was ich eigentlich als Problem ansah – als Freiberufler eine Finanzierung zur Sanierung eines großen Hofs im strukturschwachen Raum zu bekommen – war in weite Ferne gerückt. Wenn wir nur endlich das Passende finden würden.
Vorgeschichte // Teil 4
Themen Haussuche Am 04.03.2006 von mag geschrieben
Ein optimistischer Start
Wir dachten, es würde ganz einfach sein. Schließlich hörte man ja überall, dass sich der Osten entvölkerte und Bauern ihre Wirtschaft aufgaben. Es mußte doch ein Überangebot an tollen Höfen mit ein paar Hektar Land geben. Ziemlich optimistisch brachten wir unsere ersten Wünsche zu Papier:
„Bauernhof/Gutshof/Resthof, o.ä.
unsaniert, aber mit guter Grundsubstanz
abseitig gelegen, gerne mit längerer Auffahrt -> keine Hauptstrasse, guter Abstand zu Nachbarn
Wohnhaus mind. teilweise unterkellert, gerne zweigeschossig
Wirtschaftsgebäude/Ställe sollten vorhanden sein, außerdem alter BaumbestandGrundstück ab 5 Hektar (Wiesen, Wald, gerne mit Quelle/Bachlauf o.ä.), idealerweise direkt am Hof“
-> hügelig, eher sandiger Boden – kein Matschboden wie in Hamburg
Am Ende hat das ja (fast) alles hingehauen, aber bis dahin haben wir so manches Mal an der Machbarkeit der Idee gezweifelt und standen kurz vor ungeliebten Kompromissen.
Zunächst recherchierten wir im Internet nach Immobilienportalen und Maklern in den relevanten Regionen und hängten auf unseren Reisen Aushänge in den Dörfern auf.
Außerdem sprachen wir vor Ort direkt Leute auf der Straße an, wandten uns an Denkmalämter, Bürgermeister, Banken. Später inserierten wir außerdem noch in Anzeigenblättern in den Regionen – das komplette Programm also.
Falls es noch andere Irre wie uns gibt, werden wir hier bei Gelegenheit mal ein paar Tipps und Adressen zusammenstellen, die dann eine gute Ausgangsbasis für Hofsucher sein können.
Vorgeschichte // Teil 3
Themen Haussuche Am 04.03.2006 von mag geschrieben
Nichts für Vollblutrealisten
Nach und nach begannen wir mal intensiver nach verlassen aussehenden Höfen zu gucken und die für uns relevanten Kriterien herauszuarbeiten.
Die Nähe zu Hamburg war uns dabei zweitrangig, wir wollten ja nicht pendeln und für die gelegentlichen Vorortjobs in Hamburg würden wir uns ein kleines WG-Zimmerchen besorgen. Zugegeben, man darf nicht allzu kopflastig und bedenkenträgerisch sein, wenn man plant, was wir angegangen sind. Dann kommt man nämlich nie vom Fleck. „Wie wollt Ihr denn von da aus arbeiten?“, „Was wollt Ihr denn mit einem großen Hof?“, „Was wollt Ihr denn gerade im Osten?“ Fragen, die uns durchaus bewußt waren, die wir aber nicht schon vorab ständig zu hören bekommen wollten, weshalb in unsere Umschau nach „der kleinen Farm“ nur sehr wenige eingeweiht waren.
Man muß sich halt Prioritäten setzen. Für mich heißt das vor allem abzuwägen, wieviel Lebensqualität und Wünsche ordne ich dem Geldverdienen unter, wieviel Geld brauche ich um mir Lebensqualität und Wünsche zu ermöglichen? Aus dem Grund habe ich mich auch damals selbstständig gemacht. Risiko und Streß sind groß, aber meine subjektive Lebensqualität ist um ein vielfaches höher als zuvor. Sicher auch, weil das Geschäft im Moment gut läuft – aber selbst in den schwierigen Zeiten der Nach-2000er-Jahre wußte ich irgendwie immer: das wird schon wieder, einfach durchhalten. Und so kam’s dann auch (bisher – toi, toi, toi).
Vielleicht muß man diese Mischung aus Leichtsinn, Naivität und Sturheit haben, um so einen abenteuerlichen Traum wirklich angegen zu wollen. Na ja, dann bitte schön.
Die Prioriäten sind gesetzt – für uns bedeutet ein Hof Lebensqualität, nah an der Natur, an den Jahreszeiten, aber bitteschön immer mit Internet in Reichweite ;-) Für unsere guten Kunden sollte es dann kein Problem sein, ob wir in Hamburg oder auf dem Lande arbeiten.
Wir begannen unsere ersten konkreten Scanns sogar in Sachsen, weil wir gerade aus Polen kamen und wir dachten, gleich hinter der Grenze muß die Landschaft doch genauso schön sein.
Na ja - ich sage nur „Flurbereinigung“. Den Charme wilder Wiesen und Hecken fanden wir nämlich nicht, kein Trost das Polen nach ein paar Jahren EU auch so aussehen wird...
Außerdem gefiel uns Görlitz außerordentlich und als deutschpolnische Stadt hätte das ja auch prima zu uns gepaßt.
Zurück im Norden verblasste die Idee jedoch wieder, zumal uns unsere Ausflüge aus Zeitgründen eher nach MeckPomm und Nordbrandenburg führten.
Hier gab es auch hüglige Landschaften (wichtiges Kriterium ;-) und die Seen und das nahe Meer...
Vorgeschichte // Teil 2
Themen Haussuche Am 04.03.2006 von mag geschrieben
Wie wir in den Osten kamen
Wir haben ziemlich spät angefangen, Ostdeutschland zu erkunden, zumindest dafür, dass es von Hamburg nicht wirklich weit bis nach Mecklenburg-Vorpommern und Nordbrandenburg ist.
Das Abstandskriterium schlechthin war der Überfall einer Horde Rechtsradikaler auf eine Gruppe Jugendlicher auf einem Campingplatz – irgendwann in den 90ern, irgendwo in MeckPomm.
Das war für unsere Neugier lange Zeit das absolute Null-Bock-Kriterium. (Ein Blick auf die Website von Lobbi.eV zeigt, dass die Presse sich zwar nicht mehr so dafür interessiert, aber von Friede-Freude-Eierkuchen keine Rede sein kann.)
Dann irgendwann die erste Reise mit dem VW-Bus und Freunden an die Meckpommsche Ostseeküste. Wow, was für Unterschied zu den zubetonierten und durchorganisierten Badestränden Schleswig-Holsteins. Wir campten 70 Meter vom Meer entfernt in zauberhaft „unordentlicher“ Natur, es gab keinen Streß wegen dem Hund, keine Strandkorb-Reihen, keine Kurtaxe – war das noch Deutschland?
Na denn, jetzt aber bitte mehr sehen! Von nun gab's häufiger Abstecher gen Osten, mit Basti zu dessen Opa nach Havelberg (sehr schönes Städtchen) und weiter durch die abgelegensten prignitzschen Dörfer über abenteuerliche Dorfverbindungsstraßen, die den Stoßdämpfern einiges abverlangten, oft kilometerweit durch Wiesen, Felder und Wald – dass man schon glaubt nie mehr auf Zeichen menschlicher Besiedlung zu stoßen.
Viel Kopfsteinpflaster, alte Alleen, ursprüngliche Dorfarchitektur mit Kirchhof im Mittelpunkt und kreisförmig darum drapiert die reichsten und imposantesten Bauernhäuser. Backstein mit verzierten Gesimsen und Feldsteinfundamenten, an der Elbe auch viele sehr schöne Fachwerkhäuser. Die Bausünden der 60er/70er Jahre, die vielen Dörfern im Westen ihren Charakter geraubt haben, halten sich hier in Grenzen. Hier und da mal die Betonblöcke ehemaliger Einkaufsläden und am Dorfrand die unvermeintlichen und meist zerfallenen LPG-Stallanlagen.
Und vor allem: Platz ohne Ende und niedrige Immobilienpreise.